Patrick Niedermayer

Es ist Freitagnachmittag, 29. September 2017, ich bin 23 Jahre alt und muss eine Entscheidung treffen. Ich sitze auf einer schwarzen Couch, in einem sonst recht leeren und hellen Meetingraum, mir gegenüber sitzt Flo, der Team-Manager der Content Factory der Paessler AG. Ich hab mich dort als Video Producer beworben. Das ist unser finales Gespräch, nach einem Schnuppertag, bei dem ich das Team kennenlernen durfte.

Mein Handy vibriert in meiner Hosentasche, auf dem Display steht „Herr Hammer“ (Name geändert). Herr Hammer würde eigentlich ab Montag mein Teamleiter bei Hilti werden, zumindest steht das auf dem Arbeitsvertrag, den ich vor vier Wochen unterzeichnet habe. Ich drücke auf den Mute-Button und schiebe das Handy zurück in die Tasche. 

Flo sagt mir „Ich habe mich mit den Anderen besprochen und alle sind sich einig: Wir würden dich gerne im Team haben! Was denkst du?“

Keine einfache Frage. Mit diesem Job würde ich mir zwar meinen Traum erfüllen, auf den ich seit über zwei Jahren hingearbeitet habe und meine Leidenschaft zum Beruf machen. Andererseits ist meine Frau schwanger und die Bezahlung als Außendienstvertriebler, inklusive Firmenwagen, verspricht die vernünftige Entscheidung für einen Familienstart zu sein. Meine Eltern waren stolz, als ich ihnen von dem Hilti-Job erzählte. Mein Vater freute sich schon über den Familienrabatt auf Bohrmaschinen und meine Mutter riet mir später sogar von dem Marketingjob bei Paessler ab, schließlich hört man immer wieder von dem hohen Druck im Marketing.  

Die Entscheidung für einen der beiden Jobs wird unser Familienleben vermutlich stark beeinflussen, trotzdem sagte mir Itha, dass sie hinter meiner Entscheidung steht, egal wofür ich mich entscheide. Das fühlt sich zwar gut an, macht aber die Entscheidung nicht leichter. 

Flo schaut mich erwartungsvoll an. Ich will „Ja“ sagen, aber irgendwas hält mich zurück. Ich denke an den Neujahrsvorsatz, den ich mir im Januar gesetzt habe:

Ich werde zwei Jahre lang alles dafür tun, um mein Hobby zum Beruf zu machen – Wenn ich es schaffe, großartig. Wenn nicht, werde ich es sein lassen und weiter als Kaufmann arbeiten. 

Also opferte ich meine Freizeit, meine Hobbys und fuhr meine sozialen Kontakte auf ein Minimum herunter. Ich arbeitete monatelang an Wochenenden und jedem Feierabend, um besser zu werden und mehr Projekte zu ergattern.

Während ich wie besessen an meinem Neujahrsvorsatz arbeitete, begann ich in meinem Hauptjob als Kaufmann mehr und mehr unter meinem neuen Chef zu leiden. Anfangs durch Micromanaging, später wurde er immer autoritärer, womit ich nicht gut umgehen konnte – und letztlich immer kleiner wurde. Meine Motivation ließ nach und seine Schikanen verunsicherten mich, sodass ich immer mehr Fehler machte.

In meiner Verzweiflung hätte ich jeden Job angenommen, nur um da wegzukommen und weiter Videos machen zu können. Für Videojobs fehlten mir aber noch die vorausgesetzten Qualifikationen. Also suchte ich nach Jobs, bei denen man früh Feierabend machen könnte damit ich noch Videos machen kann: Paketbote, Postbote, Müllmann. Aber ich fand nichts.

Mittlerweile litt ich so sehr unter meinem Job, dass ich mir Hilfe für meine Bewerbungen holte und auf die Stelle bei Hilti aufmerksam gemacht wurde. Die Stelle war zumindest der nächste, logische Schritt in meiner kaufmännischen Laufbahn.

Während des Bewerbungsprozesses konnte ich mir vorstellen, dort zu arbeiten – das Geld lockte natürlich auch. Irgendein Gefühl hielt mich aber zurück, vielleicht die von Druck dominierte Stimmung, die ich bisher so aufgeschnappt hatte, vielleicht aber auch die Sorge keine Zeit mehr für Videos zu haben. So oder so, es wird besser sein, als mein aktueller Job, also schob ich die Zweifel beiseite und unterschrieb den Vertrag. Ich konnte endlich bei meiner alten Firma kündigen, was für eine Befreiung! 

Ich würde bald meinen neuen Job starten und erzählte jedem davon, doch nach zwei Wochen sehe ich eine Stellenausschreibung, die wie auf mich zugeschnitten schien. Ich kannte die Firma Paessler nicht, aber es schadet ja auch nicht, es einmal zu versuchen. Deshalb schickte ich eine Videobewerbung ab und wurde prompt zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Ich war unsicher, ob ich überhaupt hingehen sollte, schließlich hatte ich schon einen Arbeitsvertrag mit einer anderen Firma unterschrieben. Ich ging hin und der Kontrast zur anderen Firma hätte kaum größer sein können. Dort herrschte von Anfang an eine freundschaftliche, offene und vertrauensvolle Stimmung, dass es mir schon etwas utopisch vorkam; ich wusste damals noch nicht, dass sich das „New-Work“ nennt. Schließlich wurde ich zum Schnuppertag eingeladen.

Mein Handy vibriert nochmal – Herr Hammer – ich drücke ihn wieder weg. Flo wartet noch auf meine Antwort. Ich selbst warte auf eine Antwort von mir… Ist es egoistisch meiner Leidenschaft nachzugehen, anstatt mehr Geld für die Familie zu erarbeiten? Ich habe gesehen, wie getrieben ein Hilti-Außendienstler war, er redete nur davon, wie viel Provision er verdient. Hier wirken dagegen alle ziemlich ausgeglichen und betonen wie familienfreundlich der Arbeitgeber ist. Eigentlich lautet die Frage: Was für ein Papa möchte ich werden? Einer, der viel Geld hat, oder einer, der glücklich ist?

Ich wollte meinen Kindern immer vermitteln, dass Träume wahr werden können, wenn man dafür arbeitet… Ich glaube, Zeit ist wertvoller als Geld. 

Also antworte ich „Ich bin dabei!“. 


Im Januar 2017 habe ich mir vorgenommen mein Ziel in zwei Jahren zu erreichen, ich bin immer noch sehr stolz, dass ich es in 10 Monaten geschafft habe. Ich habe meine Entscheidung nicht einen Tag bereut. 

Allerdings muss ich sagen, das Telefonat mit Herrn Hammer war ziemlich unangenehm. Bevor ich zu Wort kam, erzählte er mir, dass er mein Auto gerade aus der Waschanlage gefahren hat und mein Laptop schon zusammen mit den bestickten Poloshirts im Kofferraum liegt. Ich kann verstehen, dass er wütend war, aber als er mir noch mehr Geld angeboten hat, wusste ich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Er hatte mir vorher bei den Verhandlungen gesagt, er würden mir das maximal Mögliche bieten. Ich glaube dort gibt es kein Vertrauen und keine Ehrlichkeit, nur Geld. Das passt nicht zu mir.

Hast du eine ähnliche Geschichte zu erzählten? Lass uns in den Kommentaren darüber sprechen.


Video Producer für Social Media, technische Videos & Werbung (m/w)

Du liebst Film. Deine Wohnung sieht aus als hätte sie Wes Anderson gestaltet und Charlie Kaufmans Drehbuchideen lassen Dich nur müde lächeln. Du bist ein kreativer Geist, der schon vor Michel Gondry auf die Idee gekommen ist, auf einem Smartphone beeindruckende Kurzfilme zu drehen. Du denkst wie Casey Neistat und lebst Video. Dann machen wir Dir ein Angebot, das Du nicht ablehnen kannst – und wenn Du richtig gut bist, liegt sogar der Director’s Cut bei dir:

Einleitung der Stellenausschreibung

Hat dir meine Geschichte gefallen? Wenn du möchtest, kannst du meinen Newsletter abonnieren:

Newsletter abonnieren und nichts mehr verpassen

Newsletter abonnieren und nichts mehr verpassen

 

Ich versuche weiterhin wertvolle, interesannte oder unterhaltsame Inhalte mit dir zu teilen. 

 

Jetzt noch ein Klick auf den Link, in der Email und du bist an Board!