Patrick Niedermayer

In Storyworthy von Matthew Dicks geht es darum, besser Geschichten zu erzählen.
Egal ob am Esstisch, für eine Rede oder später mal für die Enkel.

„Fuck Superman, I’ll take storytelling everyday“

Matthew Dicks

Ich stehe an einem weißen Stehtisch in einem hellen Meetingraum, wir haben unser Daily-Meeting. Shaun erzählt von einem Hörbuch, das er aktuell hört: Storyworthy: Engage, Teach, Persuade, and Change Your Life through the Power of Storytelling von Matthew Dicks.

„Er gibt super Tipps für engaging Stories“ erzählt er mir. „Das ist von Matthew Dicks dem Typen, der The Moth so oft gewonnen hat.“ Ich weiß noch nicht mal was The Moth ist, aber natürlich will ich lernen bessere Geschichten zu erzählen. Shaun’s Begeisterung zu dem Buch steckt mich an an.

The Moth gibt Storytellern weltweit eine Bühne. Es ist ähnlich wie Stand-Up Comedy, nur eben mit Geschichten zu einem bestimmten Thema. Man geht zu einem Storyslam, wirft seinen Namen in einen Hut und wenn man gezogen wird darf man eine Geschichte erzählen. Nachher bewertet eine Jury die Stories und kürt einen Gewinner. Der Podcast von The Moth hat mittlerweile über 50 Millionen Downloads pro Jahr. Matthew Dicks hat 45 StorySlams gewonnen. Er weiß also ein bisschen was von Storytelling.

Ein Beispiel: In dieser Geschichte geht es darum ob sein Sohn jüdisch aufwachsen soll.

Warum will ich etwas über Storytelling lernen?

  • Ich glaube durch Geschichten verbinden sich Menschen
  • Ich will meine Enkel später mal nicht langweilen
  • Ich will besser kommunizieren
  • Ich will nicht vergessen werden
  • Als Video Creator möchte ich meine Narrative noch unterhaltsamer und spannender gestalten

Matthew Dicks gibt dem Leser sehr konkrete Werkzeuge und Strukturen an die Hand, um Geschichten zuerst aus den eigenen Erinnerungen zu kramen und sie dann zu verfeinern.

Ich finde seine Tipps sehr hilfreich, deshalb möchte ich meine Buchnotizen hier mit euch teilen.

Ich empfehle das Buch jedem, der gerne bessere Geschichten erzählen möchte; Geschichten denen Menschen gerne zuhören, die man nicht sofort vergisst.

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Die Essenz einer Geschichte ist Veränderung:

Erst war ich dies, aber dann ist etwas passiert, deshalb bin ich jetzt das.

Wie findet man gute Geschichten?

1. Homework for life

Ich schreibe mir jeden Abend meinen Geschichts-Würdigsten Moment des Tages auf. Indem ich das jeden Tag mache, habe ich jetzt schon seit ein paar Monaten eine Ordentliche Sammlung an potenziellen Geschichten, die ich sonst wahrscheinlich vergessen hätte. Wie Matthew Dicks, nutze ich dafür einfach eine normale Tabelle auf meinem Smartphone.

Er hat dazu sogar einen Ted-Talk gehalten:

Kleiner Bonuseffekt: Da ich jeden Abend im Bett, nochmal den ganzen Tag reflektiere, um den StoryworthyMoment zu finden und dann aufzuschreiben, schließt mein Gehirn meistens mit dem Tag ab. Seitdem ich das Homework for life mache, kann ich mich abends im Bett noch viel besser auf ein Buch konzentrieren, ohne ständig abzudriften.

2. First, Last, Best, Worst

Bei diesem Spiel denkt man sich zuerst eine Kategorie aus, z.B. „Kuss“. Dann überlegt man: Was war mein erster Kuss? Was war mein letzter Kuss? Was war mein bester und was war der schlechteste Kuss? Nur durch diese Bedingung an eine Kategorie, kramt mein Gehirn in seinen letzten Ecken und findet Geschichten die ich schon für vergessen gehaltene hatte.

Beispiel:

FirstLastBestWorst
Mit 13 Jahren, ganz geheim und schüchtern, mit einem Mädchen in dass ich verknallt war, welches ich aber bis auf dieses eine Treffen nicht sehen durfte. Überraschend, mit meiner Frau auf unserer Terrasse im Regen. Ein kleiner Filmmoment im Alltag.Mit meiner Frau, bei unserem ersten richtigen Date. Wir waren bis dahin nur beste Freunde und wussten, wenn wir uns jetzt Küssen verändert das unsere Beziehung für immer. Der Kuss war nicht nur ein Kuss, sondern ein Vertrauensbeweis. Das ist nicht fürs Internet bestimmt.

Ich habe festgestellt, dass das auch super funktioniert um Menschen kennen zu lernen, als Gesprächsstarter oder um mit der Familie mal über etwas anderes zu sprechen, als die immer gleichen Abenteuer aus der Nachbarschaft.

3. Crash and Burn

Eine Technik, die man entweder mit Stift und Papier oder mit Tastatur und Word machen kann:

  1. einen Ruhigen Ort suchen
  2. Texteditor der Wahl öffnen / Papier und Stift bereitlegen
  3. Timer auf 30 Minuten (für den Anfang vielleicht nur 10 Minuten)
  4. Bis 10 zählen und sobald ein Gedanke auftaucht losschreiben
  5. jedes Mal wenn ein neuer Gedanke auftaucht, alten Gedanken fallenlassen und in der nächsten Zeile weiterschreiben (das Ziel ist, dass wir immer weiter schreiben, egal wie absurd es ist was wir schreiben)
  6. nach den 30 Minuten, die Liste durchgehen und markieren, wo eine Geschichte oder Anekdote drin steckt

Zutaten, um eine Geschichte spannender und mitreißender zu gestalten

1. Elephants

Eine Problemstellung formulieren: Was will ich in dem Moment?

Den Elefanten im Raum benennen. Ich versuche gleich zu Beginn dem Publikum klar zu machen, worin es in der Geschichte geht, bzw. worum es mir in der Situation geht.

Es ist Dienstag Nachmittag, 16. Juni 2015, ich bin 20 Jahre alt und nervös wie nie zuvor. Ich sitze auf der rustikalen Holzbank vor unserem Haus und warte auf Itha, meine Freundin. Sie ist gerade auf dem Heimweg von ihrer Arbeit und hat keine Ahnung, dass ich in einer Stunde um ihre Hand anhalten werde. 

Aus Mein Heiratsantrag – Patrick Niedermayer

Der Elefant kann während der Geschichte wechseln.

2. Breadcrumps

Kleine Hinweise oder Details, welche man in der Geschichte ausstreuen kann, ohne zu viel zu verraten

Mit den Breadcrumps soll sich der Zuhörer fragen „was würde ich als nächstes machen?“. Das können Details in einer Geschichte sein, welche gut eingebettet erwähnt werden und an einem späteren Punkt in der Geschichte wieder aufgegriffen werden. Breadcrumps können auch bewusst fehlleitend eingesetzt werden.

3. Hourglasses

Mit Hourglasses – also Sanduhren – die Geschichte verlangsamen

Wenn die Spannung hoch ist und sich der Zuhörer unbedingt die Auflösung der Situation herbeisehnt, kommt die Sanduhr zum Einsatz. Durch ausgiebige Erklärung einzelner, kleiner Details kann man Situationen in die Länge ziehen und dadurch den Spannungsmoment auskosten. Gut angewendet, hängen einem die Zuhörer an den Lippen.

4. Backpacks

Dem Zuhörer einen Rucksack mit Emotion tragen lassen

Wenn ich in der Geschichte genau erkläre wie ich mich fühle und welche Ängste oder Hoffnungen ich gerade habe, hilft das dem Zuhörer dabei, sich mit mir zu verbinden und mit mir mit zu fühlen.

5. Crystallballs

Blick in die Glaskugel – Ein weiteres Instrument um Spannung zu erhöhen

Mit der Glaskugel können wir eine Erwartungshaltung beim Zuhörer erzeugen. Man platziert einen Crystallball, indem man dem Zuhörer sagt was man selbst erwartet, dass als nächstes passiert. Die Erwartung muss sich aber natürlich nicht erfüllen und kann daher auch fehlleitend eingesetzt werden.

6. Vermeide das Und

Es gibt nichts langweiligeres als ein Und. (Ich glaube hier kann ich noch ganz stark an mir arbeiten…)

Wenn möglich, können wir UNDs ersetzen, durch:

  • Aber – bei Wendungen in der Geschichte
  • Deshalb – bei gleichbleibender Richtung

Ziel ist es, die Geschichte in Bewegung zu halten.

7. Hiding the bomb – Story Aufbau

Manchmal müssen wir ein wichtiges Detail einer Geschichte verstecken, um nicht alles gleich zu verraten. Geeignete Verstecke sind z.B. Aufzählungen oder eine Tarnung als Witz.

Einsatz von Humor

Eine gute Geschichte muss nicht zwangsläufig lustig sein. Dennoch können gut platzierte Pointen nützlich sein, um etwa eine sehr ernste Situation aufzulockern oder dem Publikum zu signalisieren, dass man weiß was man tut.

1. Milkcans and a Baseball – Dosenwerfen

Dosen sind in der Metapher Details, die wir für einen Witz aufbauen. Der Baseball ist unsere Pointe. Je mehr Details wir aufbauen, desto größer der Lacher am Ende.

2. One of those things is not like the other

Wenn wir Details aufzählen, können wir ein Element einfügen, welches offensichtlich nicht mit den anderen Elementen zusammen passt.

Beispiel: Für einen gelungenen Kindergeburtstag organisiere ich Luftballons, Partyhüte, eine Hüpfburg, Noise-Canceling Kopfhörer und einen Geburtstagskuchen.

Das ist natürlich nicht der beste Witz aller Zeiten, aber es funktioniert vielleicht um eine Situation aufzulockern und das Interesse des Publikums zu halten.

Das sollten wir vermeiden:

Wir wollen, dass das Publikum mit uns in dem Moment ist, von dem wir erzählen. Also vermeiden wir alles was den Zuhörer aus der Geschichte reißen könnte.

  • rhetorische Fragen
  • Das Wort „Geschichte“ oder „Story“
  • Auffällige Kleidung
  • Vulgäres
  • Fluchen

Wir sollten auch vorsichtig sein, bei Referenzen z.B. zu Prominenten. Es gibt immer Menschen die deine Referenz nicht verstehen. Sie werden dann über die Referenz nachdenken, anstatt mit dir zusammen zu versuchen, deine Situation zu lösen.

Ich hoffe die Notizen helfen dir dabei, in Zukunft bessere Geschichten aus deinem Leben zu identifizieren und zu erzählen.

Ich erzähle sehr gern Geschichten, merke aber immer wieder, dass meine Zuhörer abdriften oder ich selbst abschweife. Ich versuche darin besser zu werden. Konkret mache ich täglich mein Homework for Life. Außerdem nehme ich mir einen Abend in der Woche, nur um schreiben zu üben. Dabei gehe Ich meine Liste an möglichen Geschichten durch und versuche sie so spannend und unterhaltsam wie möglich zu schreiben. Manche davon werden hier auf meinem Blog landen, wie z.B. Mein Heiratsantrag. Andere behalte ich für mich, wieder andere erzähle ich Freunden. Ich fände es aufregend, selbst mal auf einer Bühne von The Moth zu stehen, oder bei Toastmaster mit zu machen. Noch traue ich mich das aber nicht.

Tausch dich mit mir aus!

Ich hoffe meine Notizen helfen dir auch ein besserer Storyteller zu werden.

Ich würde mich freuen zu lesen, welche Gedanken du dazu hast, was dich überrascht hat und ob du etwas ergänzen kannst.

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