Patrick Niedermayer

Über Nachhaltigkeit und günstige Mobilität.

e-Golf, Familie, Minimalismus und Nachhaltigkeit. In diesem Artikel geht es um Elektroautos, deren Kosten und Nachhaltigkeit und unseren Erfahrungen dazu.

Vor gut zwei Monaten haben wir uns einen VW e-Golf gekauft und sind jetzt vollständig elektrisch mobil. Seitdem haben uns viele Freunde und Bekannte auf unser neues Auto angesprochen:

Manche waren überrascht, dass der e-Golf unser einziges Auto ist. Viele haben uns Fragen zur Elektromobilität gestellt und es hat zu noch mehr Gesprächen über Nachhaltigkeit geführt. All das finde ich großartig und es zeigt mir, dass es Interesse an dem Thema gibt. 

Hier habe ich deshalb die Inhalte dieser Gespräche aufbereitet. Ich hoffe unsere Erfahrungen und Perspektiven bieten Mehrwert für dich.

Mobilität: Unsere Ausgangssituation

Wir, eine 3-köpfige Familie, sind Anfang 2019 in einen Nürnberger Vorort gezogen, seitdem wohnen wir deutlich näher an unseren Arbeitgebern (13 km und 3 km). 

ÖPNV ist zwar ausgebaut, aber in der Konstellation mit unseren Arbeitsstellen leider nicht besonders alltagstauglich. 

Das Zweitauto haben wir gleich nach dem Umzug durch einen 45 km/h Elektroroller von Unu ersetzt, der hauptsächlich für meinen Arbeitsweg von 13 km genutzt wird. Zu dieser Zeit war die Motivation dafür, sowohl finanziell als auch um unseren Co₂-Fußabdruck zu verkleinern. Zu dritt mit einem Auto zu leben, war für uns erst ungewohnt, wurde aber schnell normal und fühlt sich nicht als Einschränkung an.

Meine Frau brachte in der Regel erst unseren 2-jährigen Sohn in die Krippe, was einen sehr steilen und langen Berg beinhaltet, um dann rechtzeitig in ihre 4 km entfernte Arbeit kommen. Dafür hatten wir einen SUV, den Mazda CX-5, ein richtiges Schiff. 

Für dieses Auto war uns damals das Platzangebot und die Höhe wichtig. Der Reborder Kindersitz musste auf die Rücksitzbank passen und wir wollten uns nicht so bücken, beim Kind rein- und rausheben. Außerdem sollte genug Platz für Gepäck und Kinderwagen sein, wenn wir damit in den Urlaub fahren. 

Die Bedrohlichkeit der Klimakrise für unsere, aber für die Zukunft unseres Kindes wurde uns immer bewusster. Wenn wir immer weiter ungebremst Co₂ in die Luft pusten, wird unsere, aber noch mehr die Zukunft unseres Sohnes massiv gefährdet. Sein Glück und seine Sicherheit sind uns wichtiger, als alles andere. Deshalb wollen wir nicht mehr, in unserem bisherigen Ausmaß, Teil des Problems sein. Also beginnen wir, mehr und mehr, unseren Lifestyle zu hinterfragen und anzupassen mit dem Ziel unseren Co₂-Fußabdruck zu verkleinern. 

In Sachen Mobilität war der Elektroroller unser erster größerer Schritt hin zu einem kleineren Co₂-Fußabdruck. Obwohl wir also schon auf ein Auto verzichteten, wollten wir das zweite auch nicht mehr so viel fahren, weshalb wir vor einem Jahr unsere erste Fernreise mit der Bahn unternahmen. Dabei haben wir gelernt, dass es nicht einmal teurer ist, als Autofahren (mit BahnCard) und viel entspannter. Seitdem haben wir mehrere längere Reisen innerhalb Deutschland, mit der Bahn gemacht. Bahnfahren ist subbi. 

Tja, und dann war da noch der SUV, ein Symbol der Klimakrise. Auch wenn unser SUV im Vergleich nicht wahnsinnig viel verbraucht hat, war es halt trotzdem ein großes Auto, welches durch Verbrennung von Benzin fährt, und damit nebenbei unseren Planeten anheizt. Für ein paar Monate war unser Gedanke: Es wäre besser, wenn wir es fahren, wo wir ja nur noch ca. 12.000 km im Jahr fahren, als wenn es jemand fährt, mit mehr Fahrleistung. Trotzdem fühlte es sich einfach nicht gut an, zu wissen was man da tut und trotzdem weiterzufahren. Gleichzeitig informierte ich mich mehr und mehr über Elektroautos und deren Nachhaltigkeit (mehr dazu unten). Wir beschlossen, dass unser nächstes Auto kein Verbrenner mehr sein wird. Wir dachten allerdings auch, dass das noch ein paar Jahre dauern wird, bis wir uns eines leisten können. 

Gleichzeitig, waren da aber auch die Kosten unseres SUV. Versicherung, Steuer und Kundendienst haben uns ein Loch in den Geldbeutel gefressen.

Meine Wertschätzung für Autos, speziell aber dieses symbolträchtige Auto, sank immer mehr, während wir dafür weiterhin ordentlich viel zahlten. Folglich stieg Diskrepanz zwischen dem, was wir für das Auto bezahlten und dem subjektiven Wert, den wir dem Auto zumaßen. Diese Bewertung der Dinge, „Wie viel Wert hat etwas für mich?“ und „Wieviel kostet es mich?“, habe ich durch das Ausüben von Minimalismus gelernt, dazu später mehr.

Durch meine minimalistische Brille sah ich außerdem, dass wir dieses große Auto einfach nicht brauchten. Wir fahren 1-2 Mal im Jahr längere Strecken, die wir jetzt ja mit der Bahn unternahmen, den Rest der Zeit brauchten wir die Größe des Autos vielleicht drei Mal. Also schleppten wir für 99 % der Zeit, ein viel zu großes Auto mit uns herum.

Zusammengefasst

  • wir wollten das Auto eigentlich nicht mehr, da es für uns zu einer geldfressenden Co₂-Schleuder wurde
  • Fernreisen machen wir jetzt mit der Bahn
  • Minimalismus sagt mir: Das Auto ist zu groß für uns. 

Also kauften wir den e-Golf

Gedrängt von den Kosten des Mazdas, schauten wir uns dann doch nach neuen Möglichkeiten für uns um. Nach einiger Recherche über verschiedene verfügbare Elektroautos, fanden bei einem Händler einen gebrauchten VW e-Golf aus 2018 mit 38.000 km für 21.300 €, nach meiner Kalkulation, die wir vorher anstellten, konnten wir uns das leisten und würden uns über die Zeit einiges an Geld sparen. Also schlugen wir zu. 

Die Gedanken, die wir uns für diesen Umstieg machten, möchte ich hier teilen: 

Minimalismus und Auto

In vielerlei Hinsicht würde ich mich als Minimalist bezeichnen, auch wenn das vielleicht nicht jedem gleich auffallen würde. Als Minimalist ist mir vor allem ein bewusstes Leben wichtig, wobei ich ständig hinterfrage, was (Mehr-)Wert in mein Leben bringt und was eben nicht. Konstant versuche ich zu verschlanken und auszumisten, wo es geht. Weniger Zeug macht weniger Arbeit, weniger Stress und weniger (finanzielles) Risiko und damit mehr Zeit, Geld und Aufmerksamkeit für Dinge, die mir wirklich wichtig sind. 

Ein Gedanke, der mich auf meinem minimalistischen Weg begleitet, ist: „Warum muss jeder eigentlich alles für jede noch so seltene Situation haben?“. Die Bohrmaschine ist ein gutes Beispiel: Wieso sollte jeder eine Bohrmaschine besitzen, während man doch so selten ein Loch bohrt. Man könnte sie sich doch auch ausleihen, oder mieten. Diese Überlegung haben wir mit in unsere Auto-Entscheidung gebracht: Unser Auto soll unsere alltäglichen Bedürfnisse befriedigen können, also für min. 90 % der Zeit das geeignete Gefährt sein. Es muss allerdings nicht für jede mögliche (und vermutlich seltene) Situation geeignet sein. 

Platz: 

Wir sind sehr oft zu dritt (plus Kinderwagen) unterwegs und machen Ausflüge mit dem Auto. Das beschreibt schon die Situation, in der wir den meisten Platz benötigen und selbst da, haben wir noch 2 Plätze frei. Mehr Platz brauchen wir so gut wie nie.

Es kann natürlich sein, dass das Auto vielleicht mal bei einem ausgiebigen Baumarkt-Besuch zu klein sein könnte. Für diesen seltenen Fall, kann ich mir mir ein Auto aus dem Bekannten- und Familienkreis ausleihen oder einen Transporter mieten. Das kommt dann immer noch günstiger, als ständig die Kosten für ein zu großes Auto zu stemmen. Ökologischer ist dieser Ansatz sowieso.

Im Vergleich zu unserem vorherigen Auto, dem Mazda CX-5, ist der e-Golf natürlich kleiner, was mir im Innenraum überraschenderweise, bis auf die geringere Höhe, kaum auffällt. Der Kofferraum ist etwas kleiner, aber da der Kinderwagen und ein paar Taschen reinpassen, immer noch mehr als ausreichend für uns. 

Reichweite:

Reichweitenangst ist die Angst, wegen zu geringer Reichweite irgendwo ohne Lademöglichkeit liegen zu bleiben und ein sehr verbreitetes Argument gegen die Nutzung von Elektroautos. Ich komme später noch auf unsere bisherigen Erfahrungen mit dem Laden. Jetzt aber erstmal zu unserem Bedarf an Reichweite:

Unsere jährliche Laufleistung beläuft sich auf 12.000 km oder durchschnittlich 230 km / Woche. Strecken über 200 km kommen bei uns sehr selten vor, zumindest seitdem wir für Fernreisen die Bahn nutzen. Unser e-Golf aus 2018 hat eine Reichweite von 230 bis 250 km, das ist unsere Reichweite im Hochsommer inklusive laufender Klimaanlage, wir haben auch schon 270 km geschafft. Im Winter wird er dann, laut Erfahrungsberichten, so 200 km Reichweite haben. Wir laden also ca. 2 mal pro Woche, dazu später aber mehr. Angst, nicht mehr zu einer Ladesäule zu kommen, hatten wir noch nie. Ladesäulen sind mittlerweile sehr verbreitet zugänglich. 

Lange Strecken fahren wir, wie schon angesprochen, mittlerweile mit der Bahn. Wir finden das, gerade mit Kind, sehr viel entspannter. Das Beste daran ist, dass wir unserem Sohn die komplette Fahrt über unsere Aufmerksamkeit schenken können, anstatt hoffen zu müssen, dass er die Fahrtzeit durchhält.  

Wenn wir jetzt aber doch mal eine lange Fahrt vor uns haben sollten, kann ich erstmal prüfen, wie die Ladegegebenheiten sind, z. B. hier https://ladesaeulenregister.de. Da unser e-Golf eine CCS Buchse hat, also Schnelladen unterstützt, erweitert sich damit auch die gefühlte Reichweite. Sollte das alles aber keine Option sein, besteht wieder die Option ein entsprechendes Auto zu mieten. Selbst wenn wir uns für zwei Wochen im Jahr ein Auto mieten würden, wäre das für uns günstiger, als dauerhaft unser vorheriges Auto zu fahren. (14 Tage * 35,71 €, für einen Opel Crossland X bei Sixt, = 499,94 €). Zum ausführlichen Kostenvergleich, inkl. meiner Kalkulation kommen wir im nächsten Kapitel. 

Zwischenfazit:

Unser Auto ist nicht für jede Situation bestens gerüstet, aber für vermutlich 98 % der Zeit. Für die seltenen Fälle, in denen uns der Platz oder die Reichweite nicht ausreichen wird, leihen oder mieten wir uns ein entsprechendes Auto. Das spart uns unterm Strich einiges an Geld und Ressourcen. 

Kosten e-Golf

Bevor wir uns näher mit gebrauchten Elektroautos auseinandergesetzt haben, dachten wir, dass Elektroautos noch viel zu teuer (für uns) wären. Es stellte sich heraus, dass wir mit dem e-Golf sogar viel Geld sparen werden. 

Um das zu verstehen, müssen wir uns die Kosten erstmal getrennt nach Anschaffungspreis und laufenden Kosten ansehen.

Hinweis: Ja, mir ist bewusst, dass Mazda CX-5 und der VW e-Golf verschiedene Fahrzeugklassen und daher schwer zu vergleichen sind. Da das aber für uns die beiden Optionen waren, möchte ich auch unseren Vergleich mit dir teilen. Ich hoffe, du bekommst etwas Mehrwert raus.

Anschaffungspreis: 

Unser Budget lag ungefähr bei dem Verkaufspreis, den wir für unseren bisherigen Mazda CX-5 erwarten konnten, das heißt ca. 20.000 € – 22.000 € (wir bekamen dann letztendlich 19.500 € dafür). Die Auswahl an neuen Elektroautos ist mittlerweile schon recht umfangreich und durch die Förderung auch finanziell attraktiv. Wir wollten lieber einen Gebrauchtwagen. Der e-Golf hat uns 21.300 € gekostet. Günstiger wird es dann, je kleiner die Autos sind. Richtig günstige, gebrauchte Elektroautos (unter 10.000 €) sind aber eher die Ausnahme, da sie einfach noch nicht so lange auf dem Markt sind. Im Unterhalt sind sie dafür deutlich günstiger, hier lässt sich ordentlich sparen.

Laufende Kosten: 

Die laufenden Kosten eines Elektroautos unterscheiden sich deutlich von denen eines Verbrenners: 

In Deutschland sind Elektroautos momentan für die ersten 10 Jahre von der KFZ-Steuer befreit

Für unseren e-Golf von 2018 wird demnach erst ab 2028 die erste Kfz-St mit 56 € / Jahr fällig. Für den Mazda CX-5 kostete die KFZ-Steuer 148 € pro Jahr.

e-GolfMazda CX-5
kostenlos (56 € ab 2028)148 €
KFZ-Steuer

Inspektion beschränkt sich auf Dinge wie prüfen und Klimaflüssigkeit nachfüllen. Ölwechsel und ähnliche Wartungsarbeiten fallen weg. Dadurch muss beim Kundendienst nicht nur weniger gemacht werden, sondern auch viel seltener. Entsprechend günstig wird die Inspektion. 

Für den e-Golf, habe ich gelesen, genügt das ca. alle 2 Jahre und kostet dann etwa 100 € (beim Mazda hatten wir jährlich etwa 300 €).

e-GolfMazda CX-5
ca. 50 € ca. 300 €
Jährliche Inspektionskosten

Der größte Kostenunterschied liegt beim Verbrauch. Statt Benzin oder Diesel tanken bzw. laden wir jetzt Strom. Der Einfachheit halber beschränken wir uns mal auf Benzin und gehen davon aus, dass ich für jede Akkuladung zahlen müsste (dazu später mehr). Benzin kostet aktuell 1,30 € / Liter, der Mazda CX-5 hat ca. 7,5 l / 100 km verbraucht. Die kWh Ökostrom bekomme ich an den normalen, städtischen Ladesäulen für 0,32 €. Der e-Golf verbraucht bei uns im Durchschnitt 12,5 kWh/100km.

Mit unserer Jahreslaufleistung von 12.000 km macht das Verbrauchskosten von: 1.170,- € für den Mazda und 480,- € für den e-Golf. Also eine jährliche Ersparnis von 690 € oder 59 %. Bei dieser Ersparnis ist noch nicht mal berücksichtigt, dass ich regelmäßig komplett kostenlos mein Auto laden kann, z. B. bei meinem Arbeitgeber, oder während dem Einkaufen, bei Aldi, Lidl oder Kaufland.

e-GolfMazda CX-5
480 €1.170 €
Jährliche Verbrauchskosten

Zum Wertverlust habe ich noch keine wirklich aussagekräftigen Zahlen gefunden, aber bisherige Erfahrungswerte zeigen auch hier keinen Nachteil zum Verbrenner. Wenn du hier mehr Informationen hast, kannst du sie gerne unten in den Kommentaren teilen, ich würde mich freuen. 

Verschleißteile gibt es deutlich weniger, da es viele Teile, wie z. B. eine Auspuffanlage, einen Anlasser oder gar das Getriebe nicht mehr in der Form gibt. 

Bremsen sind noch dran, aber deren Bremsscheiben müssen seltener getauscht werden. Das liegt daran, dass Elektroautos „rekuperieren“, also einen Großteil der Bremsenergie nutzen, um die Batterie wieder zu laden. Damit wird nicht nur die Reichweite erhöht, sondern auch die Bremsscheiben geschont. Wieder Geld und Werkstattstress gespart.

Ein weiterer Punkt, bei dem wir persönlich jetzt Geld sparen, ist die Co₂-Kompensation. Seit etwa einem Jahr kompensieren wir unseren restlichen Co₂-Fußabdruck mithilfe der Organisation Atmosfair. Einen nicht unerheblichen Teil unserer Kompensation machte das Autofahren aus. Da wir den e-Golf nur mit Ökostrom laden, emittiert das Auto effektiv kein Co₂ mehr. (Mehr zur Nachhaltigkeit und dem Co₂ Rucksack unten). Da wir somit unserem eigentlichen Ziel, weniger Co₂ in die Luft zu pusten, näher gekommen sind, müssen wir jetzt auch weniger kompensieren. 

Info: Mit dem Co₂-Rechner fürs Auto von Quarks kann man nachschauen, wie viel Co₂ emittiert wird. Mit unseren 12.000 km und einem Verbrauch von 7,5l / 100 km, ergibt das etwa 2,5 to Co₂. 

Co2 Menge für 12.000 km Autofahren

Um das bei Atmosfair zu kompensieren, zahlt man dafür 58 €, die wir uns jetzt sparen können. 

Atmosfair Berechnung für 2500kg Co2
Atmosfair Berechnung für 2.500 kg Co₂

Meine Kalkulation:

Wir haben uns einige Autos angeschaut und wollten diese natürlich auch finanziell miteinander vergleichen. Um das nicht jedes Mal neu durchrechnen zu müssen und um es gut mit unserem bisherigen Auto vergleichen zu können, habe ich mir dazu eine kleine Excel-Tabelle gebaut. Da trägt man einfach den Verbrauch, sowie Anschaffungskosten, Versicherungskosten, Inspektion usw. ein und das Programm kalkuliert im Hintergrund wie viel man tatsächlich zahlt. Da ich das jetzt schon gebaut habe und gerade nicht brauche, dachte ich, ich biete es hier kostenlos zum Download an. 

Nachhaltigkeit und Elektroauto 

Erstmal ja, ein Elektroauto kommt mit einem Rucksack aus Co₂, aufgrund seiner Herstellung. Besonders die Produktion der Batterien ist Energieintensiv. Auch die Rohstoffgewinnung, z. B. von Lithium und Kobalt, ist nicht unproblematisch. Ich möchte hier die bestehenden Probleme nicht runterspielen, ich möchte sie aber ein bisschen in Kontext setzen und meine Gedanken dazu teilen. Am nachhaltigsten ist es, gar kein Auto zu haben. Insgesamt müssen auf unseren Straßen einfach weniger Autos fahren. Das heißt, wir sollten mehr radfahren und öffentliche Verkehrsmittel nutzen. 

Für die Autos, auf die wir nicht verzichten können oder wollen, müssen wir aber den umweltfreundlichsten Weg finden. 

Die zwei gängigsten Kontroversen greife ich mal auf: 

Co₂ Rucksack der Batterie

Oft wird darüber gesprochen, wie viel Co₂ bei der Produktion von Elektroautos entstehe und das es Jahre dauere, bis sich dieser einmalige Co₂-Ausstoß durch das Co₂-freie Fahren relativiert habe. 

Laut einer der aktuellsten Studien „hat der eGolf seinen Co₂-Rucksack durch die Produktion der Batterie nach 28.000 Kilometern abgelegt“, so der Spiegel. Hier wird mit dem deutschen Strommix gerechnet, also dass das Auto teilweise mit Kohlestrom läuft. Unser e-Golf hat schon 40.000 km auf dem Tacho, ist also schon über diesen Punkt hinaus. Gleichzeitig laden wir es aber nur mit Ökostrom, was die Bilanz noch weiter verbessert. 

Rohstoffabbau

Ich habe auch schon des Öfteren gehört, wie schrecklich der Abbau der nötigen Rohstoffe für Elektroautos für die Umwelt sei. Ich stimme dem sogar zu. Allerdings finde ich es schwierig, die Sorge um Umweltschäden ernst zu nehmen, wenn gleichzeitig ignoriert wird, welche Umweltschäden die Ölförderung für unser Benzin und Diesel produziert. 

Neben dem aktuellen Beispiel des Öltankers der vor Mauritius auseinanderbrach und 1000 Tonnen Öl verlor, finde ich den Ölsandabbau in Kanada hochdramatisch. „Aus riesigen Flächen Nadelwald sind trostlose Mondlandschaften mit Giftteichen und Schwefelbergen geworden.“ www.planet-wissen.de.

Weiterführende Infos:

Eine Zusammenfassung über die gängigen Mythen zum Elektroauto von Prof. Dr. Quaschning:

https://www.volker-quaschning.de/artikel/Fakten-Auto/index.php

Bericht zur aktuellen Studie über den Co₂-Ausstoß von Elektroautos. 

https://www.spiegel.de/auto/elektroautos-tatsaechlicher-Co₂-ausstoss-niedriger-als-bisher-angenommen-a-01907849-ede6-4f24-8c3f-89475aadbe69

Batterielebenszeit

Wie lange hält die Batterie? Die meisten Hersteller geben auf die Batterie eine Garantie für 150.000 bis 200.000 km, das heißt aber noch lange nicht, dass die Batterien dann kaputt sind. Die ersten Beispiele an Autos, welche alt genug sind zeigen, dass Elektroautos mit Originalakku gut und gerne 800.000 km auf dem Buckel haben und immer noch fahren. „…einige haben sensationelle 500 000 Meilen absolviert. Das sind stattliche 800 000 Kilometer. Und sie laufen und laufen und laufen.“ Quelle: Süddeutsche

Wenn sie dann aber doch irgendwann an Kapazität verlieren, was dann? In dem Fall ist die Batterie immer noch brauchbar, wenn auch nicht mehr für Autos. Das nennt sich dann „Second Life“. So werden z. B. in der Johan Cruijff Arena in Amsterdam die Akkus von 148 alten Nissan Leafs genutzt, um das Fußballstadion inkl. Nachbarschaft mit Strom zu versorgen, gespeist werden die Akkus von einer Photovoltaik-Anlage. Quelle: Auto-Motor-Sport

Wenn das Second Life dann auch irgendwann vorbei ist, kann man die Batterien immer noch recyceln und den enthaltenen Materialien ein neues Leben einhauchen. So arbeitet VW, Audi und BMW zusammen mit der Firma Umicore an einer Recycling-Technik um 95 % der Batterie zu recyceln. Quelle: ADAC.

Zwischenfazit:

Unterm Strich bewerte ich das so: Selbst wenn ich das Auto nur mit Ökostrom lade, was wir tun, wird der Umwelt bei der Produktion ein Schaden zugefügt. 

Der Gesamtschaden über die Lebenszeit des Autos ist aber heute schon nachweislich geringer, als das bei Verbrennern der Fall ist. (regelmäßige Ölkatastrophen, seltene Erden, ein Vielfaches an Fahrzeugteilen, welche kaputtgehen können, Ausstoß von Schadstoffen und Treibhausgasen usw.). 

Während das Verbrennerauto bereits auf seinem technischen Höhepunkt ist und damit wenig Verbesserungspotenzial besteht, können viele Umweltprobleme bei der Produktion von Elektroautos technisch verbessert werden 

Aber nochmal: Besser als das sauberste Elektroauto ist „ein Auto weniger“.

Das Elektroauto ist das geringere Übel. 

Laden ohne Wallbox?

Wir haben bisher keine Wallbox (heimische Ladestation) in unserer Garage. Das hat hauptsächlich Kosten/Nutzen Gründe. Wir leben in einem Mehrparteienhaus ohne Photovoltaikanlage, können deshalb keinen eigenen kostenlosen Strom tanken. Wir würden Zuhause also den ganz normalen Ökostrom zukaufen und laden, wie wir das auch an den städtischen Ladesäulen tun. 

Dementsprechend bleibt für eine Wallbox nur der Komfortzugewinn zu Hause laden zu können und jeden morgen einen vollen Akku zu haben. Für uns ist dieser Komfortzugewinn momentan noch nicht den Preis der Wallbox wert. 

Wir laden momentan entweder bei meinem Arbeitgeber (kostenlos), bei Aldi (kostenlos, sogar mit CCS, also Schnellladesäule, das heißt nach dem Einkauf ist der Akku wieder voll), oder eben an öffentlichen Ladesäulen der Gemeinde- und Stadtwerke (für 0,32 € / kWh). Öffentliche Ladesäulen sind mittlerweile überraschend gut ausgebaut, finde ich. Wir laden beispielsweise regelmäßig bei einer Ladesäule, die ca. 10 Gehminuten von unserer Wohnung entfernt ist, nutzen aber auch Ladesäulen in der Innenstadt, vor der Stadtbibliothek oder während des Tiergartenbesuchs. Parkkosten muss man während des Ladens nicht bezahlen, nur den Strom den man lädt. Ich finde, das fühlt sich gut an. Während das Auto früher einfach sinnlos rumstand und dabei Geld gekostet hat, lade ich jetzt meinen Akku auf und zahle nur für den Strom, den ich ja sowieso brauche.

Bei jeder unserer Lademöglichkeiten laden wir ausschließlich mit Ökostrom, das ist uns wichtig. 

Für den kompletten August (wobei wir eine Woche das Auto stehen ließen) haben wir 16 € für Strom gezahlt. Im September bisher 8 €. 

Erfahrungen: e-Golf mit Kind

Zum Platzangebot habe ich ja vorher schon etwas geschrieben. Wir hatten lange überlegt, ob uns ein Golf als Familienauto reichen wird. Ich hatte meine Zweifel und hätte gerne vorher gewusst, dass das für uns überhaupt kein Problem ist. Das Auto ist für uns groß genug und bringt sogar ein paar Vorteile mit sich, über die sich unser Kleiner freut:

Der Grüffelo im e-Golf mit Spotify auf Apple Carplay.
Der Grüffelo auf Spotify in Apple CarPlay

Da das Auto deutlich niedriger liegt als der große SUV, kann unser Sohn mit seinen 2 Jahren jetzt ganz selbstständig ein- und aussteigen, wir müssen ihn also nicht ständig heben. Er wird selbstständiger und unsere Rücken werden geschont. 

Sein Lieblingsvorteil des neuen Autos ist aber wohl Apple CarPlay, gut nicht CarPlay im Speziellen, aber die Möglichkeit, dass wir jetzt dank Spotify direkt im Auto seine Lieblingshörbücher (Grüffelo und Lieselotte) anhören können. Das war vorher natürlich auch möglich, aber deutlich umständlicher, sodass wir es selten gemacht haben. Er liebt es, das Foto vom Grüffelo auf dem Infotainmentsystem zu sehen.  

Erfahrungen anderer Elektroauto Fahrer

Ich habe jetzt recht ausführlich über meine persönliche Erfahrung mit dem Elektroauto gesprochen, inzwischen kam vermutlich rüber, dass ich ziemlich begeistert davon bin. 

Ich denke dieser Artikel bietet noch mehr Mehrwert, wenn auch andere Elektroautofahrer kurz ihre Erfahrung teilen. Deshalb habe ich ein paar gefragt: 

Itha Niedermayer

https://www.instagram.com/inima1606/

Auto: e-Golf 2018

Was gefällt dir am besten am Elektroauto?

Dass ich jetzt mit einem besseren Gefühl emissionsfrei fahren kann.

Was hat dich beim Umstieg am meisten überrascht?

Dass es auch ohne Ladesäule Zuhause geht. 

Was hättest du gern schon vorher gewusst?

Wie viel günstiger und angenehmer der e-Golf ist, dann hätten wir uns 2 Jahre lang viel Geld gespart. 

Wie viel zahlst du monatlich fürs Laden?

ca. 15 – 20 €

Jörn Paessler

https://twitter.com/skigh_tv

Auto: Tesla Model 3, Long Range, Dual Motor 2019

Was gefällt dir am besten am Elektroauto? 

„Laut“stärke, Emissionsarmut, Abzug, einfach schön, komplette User Experience (App, Nutzung Tesla, Supercharger), fühlt sich nach 21. Jahrhundert an

Was hat dich beim Umstieg am meisten überrascht?

Wie schnell ich empfindlich geworden bin gegenüber lauten Verbrennern. Reichweiten-Angst überhaupt kein Thema. 

Wie viel zahlst du monatlich fürs Laden?

Im Alltag gegen 0: eigene PV-Anlage, oder Laden in der Firma. Die letzte Reise nach Amrum über 1700 km hat 50 EURO gekostet. 

Prof. Dr. Volker Quaschning

https://www.youtube.com/c/VolkerQuaschning

Professor für Regenerative Energiesysteme

Auto: Tesla Model 3

Was gefällt dir am besten am Elektroauto?

Das Elektroauto ist im Sachen Klimaschutz zwar nur das kleinere Übel. Mit der eigenen Solaranlage lässt sich der Betrieb des Autos aber weitgehend klimaneutral realisieren. Und ein Elektroauto hat im Vergleich zu einem Verbrenner viel mehr Sexappeal. Das erleichtert, andere Menschen vom Klimaschutz zu überzeugen. Mit dem Tesla lässt sich zeigen, dass Klimaschutz nicht nur Verzicht bedeutet, sondern auch Spaß machen kann.

Was hat dich beim Umstieg am meisten überrascht?

Wie viele Vorurteile gegen das Elektroauto immer noch präsent sind, und dass sich so viele Menschen den Wechsel nicht vorstellen können oder wollen.

Was hättest du gern schon vorher gewusst?

Der Umstand, dass die Kaufprämie für Elektroautos in der Coronakrise deutlich erhöht wurde. Ich bin ja gebürtiger Schwabe. Vermutlich hätte ich mir den Tesla dann aber doch schon vorher gekauft. Das Warten wäre schwer gefallen.

Wie viel zahlst du monatlich fürs Laden?

Das habe ich noch gar nicht ausgerechnet. Die ersten 1500 km beim Tesla Supercharger waren wegen einer Empfehlungsgutschrift umsonst. Zu Hause lade ich mit 85 % eigenem Solarstrom. Der kostet ca. 15 Cent/kWh. Ich denke mal es werden derzeit 20 bis 30 Euro pro Monat sein.

Dirk Paessler

Auto: Tesla Model S Performance

Was gefällt dir am besten am Elektroauto? 

Antwort 1 (vom Klimaschutz-Unternehmer): null Emissionen pro km. Null. (abgesehen von der Herstellung, aber die Emissionen sind nach 1 – 2 Jahren Betrieb mit PV Strom ausgeglichen)

Antwort 2 (vom Bauch): 2,6s auf null auf 100, schneller als freier Fall 🙂 Der Schub des elektrischen Antriebs wird tatsächlich nicht langweilig.

Antwort 3 (vom Hirn): Des beste Auto, das ich je gefahren bin. Klar, klingt nach Tesla-Fanboy. Aber ich habe für dieses Auto einen High-End-5er (BMW M550d) weggegeben (das beste Auto, dass ich meinem Verbrenner-Vorleben hatte), ohne auch nur eine Sekunde zu zögern. Der fühlte ich nach Gewöhnung an den Tesla an wie eine „Schrankwand mit Rädern“ – schwerfällig, laut, unruhig, stinkend. 

Was hat dich beim Umstieg am meisten überrascht?

1. Dass „Range-Anxiety“ kein Thema ist. Gar keins.

2. Dass mir jetzt mein Spaß-Cabrio (BMW Z4 M35i) keinen Spaß mehr macht. Seit der Tesla in der Garage steht, hole ich das Cabrio nicht mehr raus. Fahre lieber das Model S. Hätte niemals gedacht, dass das passieren könnte.

Was hättest du gern schon vorher gewusst?

Wie alltagstauglich elektrische Mobilität ist. Dann wäre ich schon viel früher umgestiegen.

Wie viel zahlst du monatlich fürs Laden?

Null. Lade alltäglich von meiner PV-Anlage auf dem Dach.

Alanis Gruber

https://www.instagram.com/alanis_madelaine/

Auto: Renault Zoé

Was gefällt dir am besten am Elektroauto? 

Dass es keine Emissionen verursacht, es so leise ist und so schnell beschleunigt.

Was hat dich beim Umstieg am meisten überrascht?

Wie schnell man sich an das Elektroauto gewöhnt und dann auch nicht mehr mit einem Benziner fahren möchte.

Was hättest du gern schon vorher gewusst?

Wie wenig das laden kostet und dass es viele Ökostrom-Ladesäulen gibt; dass es im Winter wenn es kälter draußen ist natürlich mehr Strom verbraucht als jetzt im Sommer.

Wie viel zahlst du monatlich fürs Laden?

Meist kostenlos laden bei Kaufland, wo wir immer einkaufen gehen und ansonsten bei meiner Mum in der Arbeit.

Anmerkung:

Ist auf jeden Fall ein Stadtauto und nicht wirklich für lange Strecken nach München oder so geeignet (kann man natürlich machen, wenn man dort eine Ladesäule im Blick hat) 

Julia Hofer

Auto: VW e-up 2018

Was gefällt dir am besten am Elektroauto? 

Fahrspaß, Beschleunigung, leise, stinkt nicht, nicht tanken

Wie viel zahlst du monatlich fürs Laden?

Im Alltag gegen 0: eigene PV-Anlage

Fazit: Schritt für Schritt 

Vor 2 Jahren hätten wir es vermutlich für unmöglich gehalten, beide unserer Autos gegen einen Elektroroller und einen Kompaktwagen mit einer Reichweite von nur 230 km zu tauschen. Unser Lifestyle war dafür noch nicht bereit und noch wichtiger: Unsere Einstellung auch nicht. 

Erst haben wir ein Auto mit einem Elektroroller getauscht, dann haben wir gelernt, dass Fernreisen mit dem Zug für uns angenehmer sind und Minimalismus kam in unser Leben. Das waren alles kleine Schritte, die uns erst in den Geisteszustand versetzten, den e-Golf als unser Hauptauto in Betracht zu ziehen. 

Natürlich gibt es auch andere Elektroautos, die weniger Kompromiss in Größe und Reichweite darstellen. Dafür muss man noch nicht mal zu Tesla schauen. Neue Elektro-SUVs mit über 400 km Reichweite gibt es auch schon für unter 30.000 € z. B. Kia e-Niro

Der e-Golf passt momentan sehr gut zu unserem Leben und unserer Art mobil zu sein. Es fühlt sich gut an, mit dem Auto umweltfreundlicher unterwegs zu sein. Gleichzeitig macht das Auto unheimlich viel Spaß. Die Beschleunigung sorgt für Bauchkribbeln, leises fahren ist für mich sehr angenehm und auf technische Spielereien in dem Auto stehe ich sowieso. 

Um meine Begeisterung zu teilen, lasse ich Freunde gern eine Runde mit unserem Auto fahren. Als mein Kollege Shaun gefahren ist, drückte er seine Begeisterung mit folgendem Satz aus, den ich gern als Schlussworte für diesen Blogartikel nutzen möchte:

„If fighting climate change feels so good, then sign me up.“

Shaun Behrens
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